Praxis für Logopädie

Jana Diener


Kindliche Sprachentwicklungsverzögerungen und -störungen (SEV/SES)

Eine verzögerte oder gestörte Sprachentwicklung bei Kindern kann viele Gesichter haben. Die Ursachen sind vielfältig und reichen von familiären Veranlagungen über Hörprobleme durch häufige Mittelohrentzündungen bis hin zu Verarbeitungsschwierigkeiten im Gehirn, bei denen Gehörtes nicht richtig verarbeitet wird (zentral-auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung).


Eltern bemerken oft folgende Anzeichen:

  • Probleme mit dem Sprachverständnis: Ihr Kind versteht einfache Alltagsaufforderungen wie "Hol deine Schuhe", hat aber Schwierigkeiten, komplexeren Erzählungen in einem Bilderbuch zu folgen oder Zusammenhänge zu verstehen.
  • Dysgrammatismus (Grammatikstörungen): Sätze werden fehlerhaft gebildet. Das Kind verwendet Artikel falsch ("der Mädchen"), beugt Verben nicht richtig ("Ich geht nach Hause") oder die Satzstellung ist durcheinander ("Im Garten ball spielen ich").
  • Eingeschränkter Wortschatz und Wortfindungsstörungen: Der aktive Wortschatz ist für das Alter zu klein. Das Kind umschreibt Dinge oft ("das für Essen") oder verwendet Generalisierungen wie "wau-wau" für alle Tiere.
  • Artikulationsstörungen: Laute werden falsch gebildet oder ausgelassen (z.B. "Tinderdarten" statt "Kindergarten"). Ausführliche Informationen finden Sie auch auf unserer Seite zu Sprechstörungen.

Schriftspracherwerbstörungen (LRS/Legasthenie) bei Kindern und Jugendlichen

Eine Lese-Rechtschreib-Störung (LRS oder Legasthenie) zeigt sich dadurch, dass ein Kind trotz normaler Intelligenz und ausreichender Beschulung massive und langandauernde Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben lernt. Oft hatten diese Kinder bereits im Vorschulalter eine Sprachentwicklungsverzögerung.


Eine logopädische Therapie ist besonders dann sinnvoll und erfolgversprechend, wenn die LRS auf einer zentral-auditiven Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung (ZAVS) beruht. Das bedeutet, die grundlegende Hörfähigkeit ist intakt, aber die Weiterverarbeitung der Laute im Gehirn ist gestört. Typische Merkmale hierfür sind:

  • Schwierigkeiten, ähnlich klingende Laute zu unterscheiden (z.B. "k" und "g")
  • Eine verkürzte Merkspanne für Gehörtes (z.B. können Zahlen- oder Wortfolgen nicht nachgesprochen werden)
  • Probleme, Laute zu Wörtern zusammenzuziehen (Lautsynthese: Was ergibt M - A - L - E - N?) oder Wörter in Laute und Silben zu zerlegen (Lautanalyse)
  • Schnelle Ablenkbarkeit und Konzentrationsschwächen in geräuschvoller Umgebung
  • Defizite in der Analysefähigkeit, die das Erlernen von Rechtschreibregeln erschweren

Organisch bedingte Sprachstörungen bei Jugendlichen und Erwachsenen

Diese Form von Sprachstörungen tritt nach einer Schädigung des Gehirns auf, zum Beispiel durch einen Schlaganfall, einen Unfall oder im Rahmen neurologischer Erkrankungen (wie Morbus Parkinson, Multiple Sklerose).
Man unterscheidet hier hauptsächlich zwei Störungsbilder, die oft gemeinsam auftreten:

1. Aphasie

Hierbei ist die Sprachverarbeitung im Gehirn direkt betroffen. Es kann zu Beeinträchtigungen in allen sprachlichen Bereichen kommen:

  • Wortfindungsstörungen ("Das Ding für...")
  • Eingeschränktes Sprachverständnis (Sätze werden nicht verstanden)
  • Störungen der Artikulation
  • Probleme beim Lesen und Schreiben
  • Verkürzte Merkfähigkeit
  • Fehler in der Grammatik und im Satzbau

2. Sprechapraxie:

Bei einer Apraxie ist die Planung der Sprechbewegungen gestört. Die Muskeln sind selbst intakt, aber das Gehirn kann sie nicht korrekt für die Bildung von Lauten und Wörtern ansteuern. Die Betroffenen wissen, was sie sagen möchten, aber die Worte "wollen nicht über die Lippen". Dies äußert sich in suchartigen Fehlversuchen, ungleichmäßigem Sprechen und deutlichen Artikulationsschwierigkeiten.